Vereint für gentechnikfreie Regionen
Montag 3. Juli 2006, Schaffhauser Nachrichten / Region
Grüne Politiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigten sich am Samstag in Rheinau mit Agro-Gentechnologie und Saatgut.
Natürlich hätte der Tagungsort für das fünfte Zusammentreffen von grünen Politikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Grenzenlos grün» nicht besser sein können. Schliesslich wird im Gut Rheinau praktiziert, wofür die Grünen grenzüberschreitend kämpfen: für genetisch natürliche Kulturpflanzen, für ein biologisch reines Saatgut. Mit den Betrieben Sativa und Gut Rheinau hat sich in den vergangenen Jahren ein Schwerpunkt der ökologischen Saatgutarbeit gebildet. Nirgendwo sonst hätte man einen besseren Augenschein nehmen können, weshalb denn auch die grünen Politikerinnen und Politiker aus den drei Nationen in respektabler Zahl anreisten.
Kontamination verhindern
Vor allem die Agrar- und Gentechnik-Spezialistinnen und -Spezialisten, denn die von Ruth Genner, der Präsidentin der Schweizer Grünen, und von Uschi Eid, Mitglied der Grünen im deutschen Bundestag, geleitete Tagung versteht sich als Fachveranstaltung. «Das Arbeitsforum hat sich etabliert», konnte Uschi Eid dabei erfreut feststellen, und es hat sich sogar ausgedehnt, wie die eindrückliche Präsenz von Grünen aus Österreich belegte. Der Aufmarsch der politischen Prominenz (mit dabei auch die Schaffhauser ÖBS-Politiker Iren Eichenberger und René Schmidt) freute sichtlich Ira Sattler, die Bürgermeisterin von Jestetten, welche die Grüsse nicht nur «ihrer» Gemeinde, sondern auch von Rheinau überbrachte. Und sich gleich dem Zentrum der späteren Diskussion näherte: Die Vereinigung Gen Au Rheinau will nämlich, machte sie den Gästen klar, eine gentechnikfreie Schutzzone schaffen und die in den letzten Jahren erfolgreich angelaufene gentechnikfreie Produktion erhalten.
Handeln über die Grenzen hinweg
In der Nachbarkommune Jestetten verpachtet die Gemeinde überdies Land nur an Landwirte, die gentechnikfrei produzieren. Womit das Hauptanliegen, auch von Ruth Genner formuliert, gleich offensichtlich wurde: Die Grünen wollen sich grenzüberschreitend und vereint für eine gentechnikfreie Landwirtschaft beziehungsweise für gentechnikfreie Regionen einsetzen, und sie verlangen, dass namentlich die Biosaatgutzucht vor Kontaminationen durch genmanipulierte Organismen geschützt wird. Die Diskussionen über die Wege zu diesem Ziel bestimmten die Tagung, allerdings hatten sich die Grünen zuvor von Fachreferaten darauf einstimmen lassen. Die Biologin und Autorin Florianne Koechlin belegte eindrücklich die Kommunikationsfähigkeit der Pflanzen («die flüsternden Pflanzen»), Amadeus Zschunke, Betriebsleiter Sativa, erläuterte die Gefährdung des Saatgutes, Lilith Hübscher und Rolf Hauser, die Co-Präsidenten von Gen Au Rheinau, stellten die Vereinigung und ihre Ziele vor.
Nach den Fachleuten waren die Politiker dran. In einer Diskussionsrunde debattierten beispielsweise Rebecca Harms (Mitglied des Europäischen Parlaments), Wolfgang Pirklhuber (Nationalrat Österreich), Rheinhold Pix, Mitglied des Landrates von Baden-Württemberg, Maya Graf (Nationalrätin Schweiz) und Martin Ott (Rheinau, Organisator des Anlasses) über besondere Aspekte des Themas gentechnikfreie Zonen. Später wurde die Diskussion auf das Publikum ausgeweitet. Dabei kamen rechtliche Rahmenbedingungen ebenso zur Sprache wie die Problematik der Koexistenz, die Regelung von Haftungs- oder Patentfragen und auch die politischen Perspektiven zur politischen und rechtlichen Sicherung von gentechnikfreien Zonen. Kein Zweifel, die Grünen wollen handeln, über die Grenzen hinweg. (J. R.)
Veröffentlicht: July 3rd, 2006 unter Information.
Kommentare: none
