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Genweizen wegklicken

Zukunftsäen in Lausanne mit über 300 TeilnehmernAm letzten Samstag trafen sich 400 Leute in der Nähe des Forschungszentrums Reckenholz. Dort, wo die ETH derzeit gentechnisch veränderten Weizen erprobt. Die 400 Personen säten wie im Verlauf des Jahres an 25 weiteren Standorten Biogetreide und protestierten gleichzeitig gegen die gefährliche Aussaat der ETH/Uni.Der Event wurde von der Initiative Zukunftsäen und Greenpeace gemeinsam durchgeführt.Schon im aktuellen Maag-Gartenkalender geschnuppert? Demzufolge stand das letzte Wochenende im Einfluss des fruchtbarsten Tierkreis- Vertreters, dem Wasserzeichen Krebs. Und damit nicht genug: Die Tage stehen bis heute Gründonnerstag in der Phase des zunehmenden Monds, «im Zeichen des Wachstums – die günstigste Zeit für die Aussaat und das Pflanzen von allem, was nach oben wächst». Wunderbar, also auch unser Weizen! Letzten Samstag fand die erste Aktion «Zukunft säen! 2008» statt. Auf dem Waidhof, nahe der Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz, musikalisch kraftvoll untermalt von Endo Anaconda.
Richtig ins Rollen kam die «Zukunftsäen!- Aktion» vor einem halben Jahr, wo wir auf dem Gutsbetrieb Rheinau Lichtkornroggen aussäten, übrigens erstmals in der Schweiz. Achtmal wurde die Aktion letztes Jahr mit unterschiedlichen Getreidesorten durchgeführt. Dieses Jahr sollen es 26 Anlässe sein, in jedem Kanton einmal sozusagen. Und immer grössere Kreise ziehen. In Rheinau machten 100 Leute mit, diesmal wurden 200 TeilnehmerInnen erwartet. Schliesslich kamen über 400 Säerinnen und Säer, die alle eine leuchtend rote Mütze fassten, diese mit je einem Mass Saatgut füllen liessen, den Acker links und rechts säumten und in einem gemeinsamen Akt die Saatkörner in die frisch gepflügte Scholle warfen. Das Feld war im Flug bestellt und schneller als mit aller Technik, was meinem kantonsrätlichen Kollegen neidvoll entlockte, wenn sich doch nur für seine Felder im Tösstal auch so viele von überall her engagierten. Wer weiss. Die Aktion zieht ihre Kreise. Ein Abstecher in eines der schönsten Täler des Kantons Zürich sei an dieser Stelle jedenfalls allen Erholungssuchenden empfohlen. Mit von der Partie war auch ein Bäcker in weissem Arbeitskittel mit Kappe. Alles beginnt auf dem Feld, sagt er sich und hat in der Bäckerszeitung «Panissimo» den Anlass angekündigt: Hier wächst, was später seine Backstube in Wängi als chüschtiges Gipfeli oder Vollwertbrot verlässt. Eine gute Backqualität des Mehls sei eine wichtige Voraussetzung, damit die Brote im Ofen aufgehen und die Kundschaft zufrieden ist. Ein Bäckermeister auf dem brachen Acker beim Säen – ein sackstarkes Bild! Plötzlich verschmelzen Akt der Aussaat und Brotduft der Bäckerstube in einem, die Zeitwände kommen sich achronisch nah und nehmen auch vorweg, dass in einem Jahr die Säenden sich hier wieder treffen, um von einem Teil der Ernte Brot zu backen.

Die Grosszügige…

Jetzt ist gesät, es folgt die Ernte.Die ausgesäte Weizensorte heisst Fiorina und gehört im Hinblick auf die Backqualität der Klasse Top an. Mitverantwortlich sind dafür die seltenen Glutenine, die Proteine des Weizenklebers. Cécile Brabant hat den Bioweizen in der Forschungsanstalt Agroscope Changins- Wädenswil entwickelt, eine langsame Sache, die 10 bis 20 Jahre in Anspruch nimmt. Heute wird der Sommerweizen auf dem Gut Rheinau vermehrt und über die Produktionsfirma Sativa vermarktet. Fiorina ist beliebt im In- und Ausland, nicht nur wegen der guten Backqualitäten, sondern auch weil sie vertraut ist mit dem Klima, den hiesigen Bedingungen und darum auch mehltauresistent ist. Und sie geizt nicht: Jeder Landwirt kann nach der Ernte einen Teil von ihr auf die Seite legen, um ihn im nächsten Jahr erneut zu säen.
…und die Geizige
img_3877.jpgWenige 100 Meter weiter will nun das Nationale Forschungsprojekt 59 (NF 59) Labor- Weizen aussetzen, dem dank drei manipulierten Genen Mehltauresistenz verliehen sei. Wie jede Gentech-Saat eine geizige Hybridsorte, die sozusagen einen eingebauten Schutz gegen Fortpflanzungsfähigkeit besitzt und sich darum nicht wieder anbauen lässt – auch nicht am fruchtbarsten Tag des Gartenkalenders. Ein Weizen, wofür es erstens hierzulande keinen Bedarf gibt, bei dem zweitens mehr als fraglich ist, ob er sich bewährt – Bäcker und Backqualität einmal ausgeblendet –, und der drittens aus unseren Steuergeldern finanziert wird. Aber lassen wir das. Vor 25 Jahren gab es weltweit gut 7000 Züchtungsunternehmen. Keines hatte global einen Marktanteil von über einem Prozent. Heute beherrschen die zehn grössten Agrokonzerne über 50 Prozent des Saatgutangebotes. Monsanto ist dabei mit Abstand der Grösste. Allein in den letzten acht Jahren hat das US-amerikanische Unternehmen für mehr als 13 Milliarden Dollar Saatgutfirmen aufgekauft. Über 90 Prozent aller gentechnisch veränderten Pflanzen stammen dieser Tage von Monopolist Monsanto. 1972 soll es Henry Kissinger auf den Punkt gebracht haben: «Wer das Öl kontrolliert, der kontrolliert das Land, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert das Volk».
Gentechfreie Bodenseeregion
Doch die Gaumenfreuden lassen wir uns nicht so einfach nehmen. Bis 2010 haben wir uns ein Gentech-Moratorium erkämpft und bewiesen, dass weder Engpässe mit gentechfreien Nahrungs- und Futtermitteln zu befürchten sind, noch der Forschungsplatz Schweiz an Attraktivität verliert. Grossverteiler wie Coop setzen definitiv auf Bio-Lebensmittel, bekanntlich auch im Hinblick auf die CO2-Bilanz. Österreich möchte vom Standortvorteil gentechfreier Landwirtschaft ebenfalls profitieren, und im süddeutschen Raum will sowieso keiner hintanstehen. Unsere Weizensorten sind ein Erfolg: Sogar in den Staaten North Dakota und Minnesota figurierte letztes Jahr eine davon unter den zehn am häufigsten angebauten Sorten. Doch das sehen eifersüchtige Grosskonzerne gar nicht gern und machen Druck auf Brüssel. Zusammenstehen heisst also die Losung. Aus diesem Grund wird die Initiative gentechnikfreie Bodenseeregion im Zusammenhang mit dem neuen Leitbild der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) aktiv und ruft bis Ende März zum Unterschreiben via Internet auf: www.gentechnikfreie-bodenseeregion.org. Regieren wir mit! Feiern wir Gründonnerstag, der in einigen Regionen als erster Frühlingsaussaat- Tag gilt und einen besonders reichen Ertrag verspricht. Und an dem heuer – per Zufall – der Tag wieder so lange dauert wie die Nacht. Nutzen wir die günstige Fruchtbarkeitssymbolik der Stunde und senden wir via Mausklick einen Osterhasengruss an obige Adresse. Wenn alle 6000 AbonnentInnen mitklicken, haben wir mit den bisherigen bereits 10 000 Unterschriften zusammen. Mal sehen, ob Gründonnerstag und der eingangs erwähnte Maagie-Kalender Recht behalten.